Netzwerk beschleunigen

Netzwerk beschleunigen!

Mac mini Server aufgebaut, angeschlossen – 100 MB/s Geschwindigkeit beim Lesen und Schreiben über Netzwerk. Prima, so sollte es sein. Das kann man einfach messen mit großen Dateien und einer Stoppuhr oder auch mit AJA System Test.

Welche Netzwerk-Geschwindigkeiten lassen sich mit Standard-Komponenten erreichen und was kann man tun, wenn der Datendurchsatz zu wünschen übrig lässt? Unser praktischer Leitfaden gibt Ihnen Tipps, welche Geschwindigkeiten sich im Netzwerk praktisch erreichen lassen und wie Sie vorgehen sollten, um Ihr eigenes Netzwerk auf Vordermann zu bringen.

Netzwerk via Ethernet: bis zu 100 MB/s

CAT5-Kabel: ca. 10 MB/s
CAT6-Kabel: ca. 100 MB/s

Wenn Sie ein Ethernet-Netzwerk aufbauen, sollten Sie darauf achten, dass alle Komponenten für GigaBit-Ethernet geeignet sind. Dazu benötigen Sie Netzwerk-Kabel der Qualität CAT6 (oder besser CAT7), Switches mit GigaBit-Ethernet und natürlich GigaBit-Ethernet an allen Endgeräten (alte Plotter haben das nicht, aber das lassen wir mal unter den Tisch fallen).

Die Netzwerk-Geschwindigkeit wird in der Praxis of gebremst durch veraltete Komponenten. Wenn Sie in Ihrem Büro via Ethernet geringe Geschwindigkeiten als 100 MB/s messen, dann sollten Sie Ihre Netzwerk-Komponenten unter die Lupe nehmen.

Kabel
Ethernet-Kabel der Kategorie CAT6 oder CAT7 sind geeignet für GigaBit, CAT5 nicht. Tauschen Sie alle CAT5-Kabel rigoros aus gegen CAT7-Kabel. Das kostet Sie pro Arbeitsplatz 5-10 EUR, eventuell ein paar weitere EUR für die Verkabelung am Patchfeld und zentralen Switch. Bitte entsorgen Sie die ausgemusterten CAT5-Kabel sofort, denn sonst wird irgendwann ein Mitarbeiter eines dieser miesen Kabel aus der Tonne ziehen und wieder verwenden. Und dann ist Ihre gute Netzwerkqualität wieder dahin…
CAT5e-Kabel wurden vor dem Jahr 2002 übergangsweise eingeführt und können für 1000 BaseT geeignet sein. Es gleicht einem Lotteriespiel. Bitte zählen Sie nicht darauf und tauschen Sie auch diese alten Kabel aus. Keine Gnade, raus mit CAT5e – sonst plagen Sie sich noch lange mit diesem alten Mist.

Switches
Nachdem Sie alle Kabel vollständig ausgetauscht haben gegen CAT6-Kabel, (besser CAT7!), sollten Sie sich der Switche annehmen. Es ist oft verwunderlich, welche uralten Switche sich unter den Tischen finden. Falls noch „Hub“ auf den Dingern draufsteht, dann stammen sie noch aus dem Pleistozän der Computertechnik und haben in einem modernen Netzwerk nichts verloren. Bitte verwenden Sie ausnahmslos solide Switches mit GigaBit-Ethernet. Investieren Sie bitte nicht in die „Holzklasse“ oder in Geräte aus dem Baumarkt, sondern nur in solide Marken-Switches.

Router
Verfügt der Router ebenfalls über mindestens eine GigaBit-Schnittstelle, dann sind Sie fein raus. Sollte der Router nur 100 BaseT an seinen Buchsen liefern, dann sollten er ersetzt werden – denn er ist eine potentielle Bremse in ihrem Netzwerk.

Messung mit aktuellen Macs
Stellen Sie bei einem Test der Netzwerk-Geschwindigkeit sicher, dass Sie aktuelle Macs zum Test verwenden. Betagte Macs schaffen oft keine 100 MB/s Lesen und Schreiben auf der Festplatte. Manchmal ist schon die Standard-Festplatte eines MacBook von 2012 oder eines Mac minis von 2014 zu langsam, um mit der Geschwindigkeit eines sauberen GigaBit-Netzwerks mitzuhalten. Natürlich sollte auch der Server bei 100 MB/s mithalten können. Aber das schaffen ja auch schon PowerMac G4-Server mit internen Festplatten. Falls Sie zweifeln, dann duplizieren Sie als Test große Dateien direkt am Server und messen Sie dadurch die Performance der Server-Festplatten. Womöglich entdecken sie hier den Flaschenhals.

Netzwerk-Toplogie
Wie viele Switche hängen in Ihrem Netzwerk zwischen Server und jedem Arbeitsplatz? Mehr als zwei sind nicht gut. Ideal wäre eine Kabelstrecke, die direkt vom Arbeitsplatz über einen einzigen Switch zum Server führt. Jede Zwischenstation über einen weiteren Switch geht zu Lasten der Performance. Bei einer „gewachsenen“ (besser gesagt: ungeplant zusammengestöpselten) Netzwerkstruktur sollten Sie zusätzliche Switche als Zwischenstation nach Möglichkeit entfernen.

Netzwerkdosen
Wenn Sie alle Kabel und Switche ausgetauscht haben, Server und Arbeitsplätze fit genug für 100 MB/s sind, dann sollten Sie Ihr Augenmerk auf die evtl. vorhandene Verkabelung in der Wand richten. Wenn Wanddosen oder Bodentanks im Spiel sind, muss auch hier die Qualität der Kabel-Abschirmung stimmen. Das Mess-Protokoll eines gut ausgerüsteten Elektrikers bringt schlechte Abschirmungen der Wandverkabelungen ans Licht.

 

Warum CAT6 oder CAT7?

Netzwerkkabel funktionieren immer – sofern sie eingesteckt sind 😉 Bei Kabeln mit schlechter Abschirmung wie z.B. CAT5 oder CAT5e gibt es Leitungsverluste – Datenpakete gehen bei der Übertragung verloren und werden vom Empfänger (am anderen Ende des Kabels) nochmals angefordert. Das senkt den Datendurchsatz. Deshalb sollten Sie auf die Kabelgüte achten. Obwohl CAT6 für GigaBit Ethernet ausreicht, sind Sie mit CAT7 auf der sicheren Seite; sie kosten nur wenige Cent mehr und bieten genügend Reserve für künftige, noch schnellere Netzwerke.

 

WLAN: 5 MB/s, manchmal 10 MB/s

Netzwerk langsam

Wie soll das mit 13 Kanälen gehen?

Die WLAN-Qualität ist stark abhängig von der Umgebung. Mitten im Stadtzentrum ist eine Vernetzung über schnelles WLAN mittlerweile Utopie, denn die Liste der bereits vorhandenen WLAN-Netwerke ist in der Innenstadt oft länger als das WLAN-Auswahlmenü Ihres Macs darstellen kann. Ein reibungsloser Betrieb kann über WLAN nicht erreicht werden, wenn zu viele Störquellen in Form anderer WLAN-Sender vorhanden sind – bitte denken Sie daran, dass im 2,4 GHz-Bereich nur 13 unterschiedliche Kanäle zur Verfügung stehen. Jeder Sender stört die unmittelbar benachbarten Kanäle, oft sind Kanäle mehrfach belegt. So sind Probleme vorprogrammiert.

Analog zu den Angaben der Autohersteller beim Benzinverbrauch sind die Hersteller-Angaben zur WLAN-Leistung unrealistisch – denn die Angaben für den Datendurchsatz im WLAN gelten für ideale Bedingungen:

  • 1 Sender
  • 1 Empfänger
  • 1 m Entfernung

 
Wenn Sie nicht allein auf einem Bauernhof leben und direkt neben dem WLAN-Sender sitzen, dann wird das also nichts. Deshalb ist WLAN in der Praxis einer sauberen Ethernet-Verkabelung immer hoffnungslos unterlegen.
 

Tuning und Trunking

Langsame Netzwerke lassen sich mit Standard-Komponenten via Ethernet auf schnelle GigaBit-Geschwindigkeit bringen. 100 MB/s Lesen und Schreiben lassen sich problemlos erreichen, wenn man methodisch vorgeht und alle Bestandteile des Netzwerks systematisch auf Fehlerquellen abklopft. Wenn Sie Ihr Netzwerk noch schneller machen möchten und, haben wir noch einige Dinge in der Trickkiste – so können z.B durch Trunking (bzw. Bonding oder Etherchannel) mehrere physikalisch getrennte Ethernet-Schnittstellen zu einer einzelnen logischen Ethernet-Schnittstelle zusammengefasst werden. Dadurch kann die Leitungskapazität nochmals gesteigert werden. Das kann sinnvoll sein zwischen Server und Switch, ebenso zur Verbindung mehrere Switche untereinander. Bitte sprechen Sie uns darauf an – wir beraten Sie gerne und können Sie bei der Realisierung tatkräftig und mit langjähriger Erfahrung unterstützen.

 

3 Comments
  • Michael Keiler
    Posted at 13:26h, 14 April

    Hallo,

    vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich möchte gerne anmerken, dass Cat.5e-Kabel durchaus für gigabit-Ethernet geeignet sind. Nur ist nicht immer im Kabel drin, was außen draufsteht, deswegen kann ich Ihre Bedenken bzgl. der Tauglichkeit von Cat.5-Kabeln nachvollziehen. Welche Kategorie Kabel für welche Geschwindigkeit taugt, siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Twisted-Pair-Kabel#Verbreitete_Twisted-Pair-Kabeltypen_.28.C3.9Cbersicht.29

    Was Cat.7-Patchkabel angeht, unterliegen Sie wie viele andere Nutzer einem großen Schwindel. Es gibt keine echten Cat.7-Patchkabel. Die Kabel (an sich, also ohne Stecker) können zwar Cat.7 hergeben, aber die Stecker sind RJ45-Stecker und die geben bauartbedingt eben nur maximal Cat.6(A) her. Siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Twisted-Pair-Kabel#Kategorie_7.2F7A Wir haben dieses Thema auch auf unserer Webseite aufgegriffen: http://www.intos.de/news/vorsicht-cat.-7-patchkabel-mit-rj45-stecker

    Grundsätzlich gebe ich Ihnen jedoch völlig Recht: Schlechte Kabel können zum Flaschenhals werden. Mit doppelt geschirmten Cat.6-Patchkabeln von InLine sind Sie jedenfalls im Gigabit-Ethernet auf der sicheren Seite. Privatpersonen können sich hier informieren: http://www.inline-info.de

    • Thomas Kemmer
      Posted at 14:29h, 14 April

      Hallo Herr Keiler,
      Danke für die fundierte Ergänzung. CAT7-Kabel (nicht Secker) halte ich in der „gelebten Praxis“ für robuster – aufgrund der besseren Abschirmung sind sie nicht so störanfällig, wenn sie direkt neben Störquellen (wie z.B. die allgegenwärtigen Billig-Kleintrafos) liegen oder das Kabel geknickt wurde oder mal unters Stuhlbein geriet.
      CAT5e kann durchaus GigaBit-Ethernet geeignet sein. Aber für CAT5e gibt es keine Norm und diese Kabel weisen hauptsächlich darauf hin, wie uralt sie sind … und dementsprechend ist auch meist deren Zustand.
      Grüße aus dem Süden
      T. Kemmer

      • Michael Keiler
        Posted at 15:37h, 14 April

        Ja, völlig richtig, Herr Kemmer, die Abschirmung spielt – gerade wg der Stromquellen in der Nähe – eine große Rolle und das Mehr an Metall macht die Kabel natürlich steifer und robuster.

        Wir verkaufen jedenfalls nach wie vor sehr viele neue Cat.5e-Kabel, größtenteils die SF/UTP-Variante, also mit Foliengesamtschirm. Cat.6 hat aber mengenmäßig längst die Nase vorn.

        Viele Grüße zurück!