SMB oder AFP?

SMB oder AFP?

Seit OS X 10.9 Mavericks setzt Apple bevorzugt auf das SMB-Protokoll anstelle des bisherigen AFP (Apple Filing Protocol). AFP wurde gelegentlich schon totgesagtAber 2015 gilt immer noch: SMB macht Probleme, AFP ist das robustere Protokoll zwischen Mac OS X Client und Server. 

Mit SMB als neuem Standard-Protokoll in OS X 10.9 Mavericks werden seit 2013 viele Hoffungen verknüpft auf bessere Leistung und neue Features. In der Realität fällt die Bilanz eher ernüchternd aus. Das liegt nicht nur daran, dass Apple nicht auf SMB setzt oder (genauer gesagt) auf SMB2, sondern auf die Eigenentwicklung SMBX. Die Feinheiten können in z.T. umfangreichen Diskussionen nachgelesen werden – aber leider nicht bei Apple, denn es gibt keine Dokumentation zu SMBX. Die größte Hürde in der Praxis ist die fehlende Vorbereitung einiger Programme auf die Feinheiten des neuen SMBX-Protokolls.

„Hier spinnt SMB total. Ordner werden teilweise nicht dargestellt. Teilweise tauchen Dateien die gerade gespeichert wurden nicht auf, sind aber vorhanden. Beim Kopieren über dem Finder kommt oft der Fehler -39. Log sagt dazu mal gar nichts. Alle Mac Clients wieder über AFP eingebunden und keine Fehler.“

Speichern nicht möglich auf Mavericks Server

mavericks serverSeit OS X 10.9 Mavericks stellen Macs eine Verbindung zu einem OS X 10.9 Mavericks-Server (oder neuer) standardmäßig eine SMB-Verbindung auf. Dieses Protokoll ist manchmal problematisch für direktes Arbeiten auf dem Server. Erzwingen Sie vom Arbeitsplatz die Verbindung zum Server mit AFP aufzubauen:

1. Vom Server abmelden.
2. Im Finder oben auf die Menüleiste, „Gehe zu“, „Mit Server verbinden…“, und dann eingeben: afp://xxx.xxx.xxx.xxx (natürlich mit der korrekten IP-Adresse Ihres Servers)
3. Anmelden und Freigabe auswählen.

mit Server Verbinden

In einem reinen Mac-Netzwerk kann es empfehlenswert sein, am Server das SMB-Protokoll komplett abzuschalten – damit die Verbindung zum Server nicht spontan über SMB hergestellt wird. Das wäre nicht notwendig, wenn alle Programme korrekt mit SMB-Verbindungen eingestellt sind. Viele ältere und einige aktuelle Programme gehen aber beim Speichern und Öffnen von Dateien einen Sonderweg und kommen mit SMB-Verbindungen nicht zurecht:

Vectorworks 2014 (und andere Versionen)

Vectorworks 2012kann auf Mavericks Server manchmal nicht mehr unter dem selben Namen speichern. Das Problem tritt seit Verwendung eines Servers mit OS X 10.9 Mavericks auf, wenn der Mac-Client ebenfalls OS X 10.9 Mavericks benutzt.

„Wir hatten heute schon ein paar mal das Problem, das wir eine bearbeitete Vectorworksdatei nicht mehr unter dem selben Namen abspeichern konnten. Neu abspeichern ging dann zwar, aber danach tritt das Problem dann wieder auf. Woran könnte das liegen?“

Es liegt an der Kombination von Vectorworks und SMB am Server. Mac OS X baut seit Version 10.9 Mavericks normalerweise eine SMB-Verbindung zum Server auf. Vectorworks kann damit bis zur Version 2014 nicht richtig umgehen. Wenn Sie eine saubere AFP-Verbindung zum Server aufbauen, verschwinden die Probleme.

Adobe Photoshop CS6

Adobe Photoshop CS6zeigt das selbe Verhalten beim Speichern von Dateien: wenn die Verbindung zwischen 10.9 Mavericks- oder 10.10. Yosemite-Clients und -Server direkt über Bonjour und die Seitenleiste der Finder-Fenster zustandekommt, dann kann eine Datei nicht mehr unter dem selben Namen gespeichert werden.

Der Grund ist hier der selbe: seit Mavericks wird zwischen Clients und Server eine SMB-Verbindung aufgebaut, mit der Photoshop CS6 Probleme hat. Sobald die Verbindungen von Macs und Server sauber mit AFP hergestellt werden, kann auch Photoshop CS6 wieder direkt auf den Mac-Server speichern.

5 Comments
  • Andreas g
    Posted at 10:42h, 15 Februar

    Auch 2016 mit OS 10.11. El Capitan und Mac Server 5.0.15. ist das Problem noch aktuell. Ich habe nun überall SMB ausgeschaltet und somit nur noch AFP aktiviert. Voilà – Problem behoben. Bei den Clients genau nach ihrer Anleitung (Neustart und cmd-K … hier SMB entfernt und AFP eingetragen) Besten Dank für diesen Beitrag Herr Kemmer.

  • Thomas Ackermann
    Posted at 15:47h, 15 Dezember

    Hallo Herr Kemmer
    Das Thema ist und bleibt ja seit Jahren aktuell. Ich habe meistens durch den Einsatz von Extreme-Z fast alle Probleme lösen können.
    Nur wird das iT-Leben im Moment immer SMB-lastiger. z.B. durch Vorstufensysteme die nur noch per SMB freigeben.

    Gibt es denn schon Erfahrungswerte mit Windows 2012 Server und El Capitan?

    Irgendwann muss es doch mal eine Kombination geben, mit der man einigermaßen problemlos arbeiten kann.

    Grüße aus dem Teutoburger Wald
    Thomas

  • Christian Riebesell
    Posted at 22:35h, 16 April

    Vielen Dank für diese gute Beschreibung des Problems. Ich kann obiges nur bestätigen: Wir hatten in einer kleinen Firma mit 7 Mac-Clients (OS X 10.9.5) und PhotoShop CS6 ganz erhebliche Performance-Probleme beim Zugriff auf einen Mavericks-Server (10.9.5). Nach langer vergeblicher Suche – hier liefern Adobe und Apple bis dato keine verwertbaren Informationen – beschloss ich, einen Mountainlion-Server aufzusetzen. Die Clients blieben unverändert. Voilà. Dadurch konnten große .psb-Dateien (> 2 GB) um ein Vierfaches schneller geöffnet werden – bei ansonsten gleicher Infrastruktur.
    Meine Motivation, nach dieser Erkenntnis nun einen Yosemite-Server aufzusetzen, hält sich folglich in Grenzen…

  • Marcel Weidmann
    Posted at 10:02h, 04 März

    Hallo Herr Kemmer

    Wie sieht das mit OS X 10.10 Yosemite Client und Server (SMB3) aus?

    Danke und viele Grüsse aus der Schweiz
    Marcel Weidmann

    • Thomas Kemmer
      Posted at 10:11h, 04 März

      Hallo Herr Weidmann,
      das Verhalten von Yosemite Client und Server ist identisch.
      Grüße aus dem großen Kanton