Lion Server – Spielzeug oder Weiterentwicklung?

Lion Server – Spielzeug oder Weiterentwicklung?

Immer wieder treffe ich in Foren und Usergruppen, aber auch im persönlichen Gespräch die Meinung, dass Lion Server nur ein Spielzeug sei. Die div. Fachzeitschriften oder Newsseiten unterstützen diese Meinung ja auch in den entsprechenden Meldungen und Artikeln. Dabei ist meiner Meinung nach Lion Server der grösste Schritt vorwärts in allen Server-Versionen. Man kann sicher über das eine oder andere (v.a. an der GUI des Servers) diskutieren, aber über die Stabilität und Funktionen? Es gibt mehr, als man denkt.

Mit Lion Server gibt es allein in Open Directory neu:

  • Multimaster LDAP
  • OD Locales
  • und eine echte CA

Ok, Multimaster LDAP ist nicht für Jedermann wichtig, aber fragt mal die Anwender, die unter 10.5. Server mit Augmented User Accounts aus einem AD importiert ein Wiki machen wollten… Zugegeben, das sind nicht allzu viele, aber wenn man einer von diesen ist (oder MDM mit Profile Manager machen will und die User aus einem anderen Verzeichnisdienst holen will, ohne dort eine Schema-Erweiterung zu machen …) Locales sind gut und wichtig, für jeden, der OD mit mehr als einer Location macht.

Um eine Certificate Authority, eine CA einzurichten, war früher weit mehr Aufwand nötig. Ich hatte letzte Woche einen Windows-Admin (zertifizierten MCSE), der unter Windows sein Handwerk beherrscht in einem Apple Server Essentials Kurs als Teilnehmer. Wir haben DNS auf dem Lion Server richtig eingerichtet, mit 2 Klicks einen OD Master hochgezogen und schon steht ne komplette PKI mit Root CA, Intermediate CA und SCEP. Bis dorthin hat man beim Windows Server Training viele Tage, alles deutlich schwerer und bei weitem nicht so automatisch. Der Gute hatte fast Tränen in den Augen …

Dann hat Lion Server jetzt Postgres SQL als Backend für Kalender und Adressbuchserver, Wiki, Profilemanager und Webmail (was jetzt Roundcube ist statt Squirrelmail). Die Performance von CardDAV und CalDAV ist Lichtjahre besser als bisher, weil in 10.6. Server nur das Filesystem mit ACLs verwendet wurde. Außerdem ist der Wikiserver richtig gut geworden. Und der Profilemanager ist die Beste Erfindung seit der Gulaschkanone. Self-Service Portal und MDM für umsonst, wo andere Lösungen RICHTIG viel Geld kosten. Jeder Admin, der nicht alleine wegen Profile Manager seine Clients gerne auf Lion ziehen würde, macht was falsch.

In Lion Server sind WebDAV Shares einfach einrichtbar, es gibt ein funktionierendes Time Machine Backup für den Server (und wer mir sagt, dass bei ihm auf 10.6.x Server Time Machine als Backup des Servers funktioniert, dem sage ich, dass er vermutlich nur nicht weiss, dass/was an seinem Server in 10.6. nicht funktioniert). Zudem funktionierende OD-Archive (das ist in 10.6. auch kaputt).

Was fehlt denn dann in Lion Server? Hm …

  • FTP.  Wer FTP nutzt, sollte meiner Meinung nach brennend zur Hölle fahren. Aus guten Gründen. Wer es trotzdem will, googelt sich den Apple-Support-Artikel und schaltet es sich über die CLI an.
  • QTSS. Quick Time Streaming Server, das braucht praktisch niemand mehr. Wenn, dann eh Darwin SS und gut ist.
  • Windows NT-Style-PDC. Siehe oben.

Das baut keiner neu mehr auf, wer es nutzt und nicht ersetzen kann/will, soll den alten Server Weiterbetrieben, aber ganz ehrlich: Wer benutzt das?

Lion Server ist die grösste Weiterentwicklung im Serverbereich, die Apple bei einem der OS Updates gebracht hat. Sowohl von den Funktionen, als auch von der GUI her. Die Technik drunter ist halt mehr als nur GUI. Aber die meisten Anwender verstehen nicht, dass eine einfachere GUI nicht zwingend ein weniger funktionales System sein muss…

Wer mehr verstehen möchte und das volle Potential hinter Lion Server ausschöpfen möchte, kann in einem Apple Zertifizierten Trainingscenter einen sog. Lion 201 – Server Essentials Kurs besuchen, der von erfahrenen Trainern gehalten wird. Wir Apfelwerker Hannes Gnad und Andreas Schenk sind solche Trainer und helfen gerne bei der Suche nach geeigneten Kursen. In drei Tagen wird dabei echtes Fachwissen zu Lion Server vermittelt, nicht nur Meinungen und Annahmen. Die Teilnehmer lernen Werkzeuge, Hintergründe und Prozeduren kennen, wie der Server richtig eingerichtet und gewartet wird. Dabei wird auch viel WErt darauf gelegt, dass die Teilnehmer in Übungen auch die verschiedenen Aspekte selbst ausprobieren. Ein solcher Kurs ist für jeden Administrator ein Gewinn.

Fuel your mind – reach your potential!

3 Comments
  • Andi
    Posted at 23:29h, 17 März

    @soleil: Das Problem könnte der Server sein, es könnte aber auch ein Problem der Clients sein, bzw. der Protokolle und der Art und Weise, wie das entsprechende Programm eine Datei (zum lesen oder zum schreiben oder auf eine andere Art und Weise) öffnet. Es könnte auch eine Zugriffsrechtthematik sein – Office will immer eine unsichtbare Datei anlegen, d.h. leserechte auf der Datei reichen in der Regel nicht, sondern Office „will“ schreibrechte auf den entsprechenden Ordner.
    (Abgesehen davon sagt MS selbst, dass direktes arbeiten auf dem Server nicht supported ist, sondern der User die Datei lokal speichern soll, dort bearbeiten und wieder zurücklegen -> das macht zwar keinen Spass und keiner will das (und es ist grober quatsch), aber MS sagt so).

  • soleil
    Posted at 17:04h, 17 März

    nun ich hab jetzt immer mal mit dem support zu tun…weil mein Lionserver über SMBX keine PPT (nicht pptx) Files öffnen will….weder von Windows noch von Mac OS X aus….

    Vor 10.7.3 konnte man nicht mal mit Office 2003 Files vom Server öffnen. Das sind also noch einige Baustellen, die quasi nerven. Aber ich denke das es in Zukunft besser wird auch in AD Umgebungen und da will ich ja meine xserver noch bisschen laufen lassen ^^

  • Martin Stöhr
    Posted at 19:44h, 16 März

    Jawoll, so isses! Und wer was anderes behauptet, siehe Listenpunkt F TP…